Zusammenfassung
Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) bleibt eine der schwierigsten neurodegenerativen Erkrankungen in der modernen Medizin. Trotz großer Fortschritte in Molekularbiologie, Genomik, Biomarker-Wissenschaft und regenerativer Medizin stehen Patienten weiterhin vor einer weitgehend tödlichen Prognose und sehr begrenzten therapeutischen Möglichkeiten.
Die regulatorische Bewertung neuer ALS-Therapien hat tiefere Spannungen innerhalb der modernen FDA offengelegt. Bestehende Zulassungsstrukturen wurden weitgehend um traditionelle Arzneimittel, große Populationen und relativ einheitliche Krankheitsmodelle herum konzipiert. Bei ALS trifft nichts davon zu. Die Krankheit schreitet ungleichmäßig voran, die Patientengruppen sind klein, und therapeutische Effekte können je nach Krankheitsstadium unterschiedlich auftreten.
In den letzten zehn Jahren hat sich die FDA öffentlich für beschleunigte Zulassungsverfahren, adaptive Studiendesigns, eine patientenorientierte Arzneimittelentwicklung und eine auf Biomarker basierende Regulierung ausgesprochen. Doch diese Prinzipien wurden in der Praxis nicht immer konsequent angewendet.
In diesem Beitrag wird dargelegt, dass ALS zu einem wichtigen Stresstest dafür geworden ist, ob sich die amerikanischen Regulierungsbehörden an die biomedizinische Wissenschaft des 21. Jahrhunderts anpassen können. Die Diskussion geht über einzelne Therapien oder Sponsoren hinaus. Sie berührt weiterreichende Fragen hinsichtlich der einheitlichen Verwaltungspraxis, der Flexibilität bei der Beweisführung, der Patientenautonomie und der künftigen Wettbewerbsfähigkeit des amerikanischen Biotechnologiesektors.
Anhand von Fallstudien aus den Bereichen ALS-Therapeutika und regenerative Medizin untersucht dieser Artikel die sich weiterentwickelnde Politik der FDA in Bezug auf beschleunigte Zulassungsverfahren, Methoden der Bayesschen Statistik, die Qualifizierung von Biomarkern, Special Protocol Assessments und die Aufsicht über die regenerative Medizin. Es berücksichtigt auch die ethischen Folgen regulatorischer Verzögerungen bei unheilbaren Krankheiten.
Die größere Frage ist nicht mehr, ob eine regulatorische Modernisierung notwendig ist. Diese Debatte ist weitgehend entschieden. Die Frage ist nun, ob sich die Bewertungskultur und die operative Entscheidungsfindung schnell genug entwickeln werden, um mit der wissenschaftlichen Realität Schritt zu halten.
Übersetzung: Marijke Praet
Quelle: Journal of the Academy of Public Health
